Polnische Weihnachten – Der (Alb)Traum aller Vorbereitungen

Die Tage werden kürzer und die Luft immer kälter – Weihnachten steht schon quasi vor der Tür. Schlimm, wie schnell die Zeit doch vergeht oder? Bald ist das Jahr zu Ende und um ehrlich zu sein bin ich froh darüber. Ich habe das Gefühl, dass 2017 ein richtig gutes Jahr wird. Aber bevor wir uns ins neue Jahr stürzen steht uns noch Weihnachten bevor und in meinem Fall noch dazu polnische Weihnachten. Oh boy!

Ich weiß nicht ob ihr wisst wie polnische Weihnachten „funktionieren“, aber da gibt es ganz spezielle Traditionen und sehr viel zu Essen und mit sehr viel meine ich übertrieben viel. Aber bevor ich euch von den Speisen erzähle, müssen wir klären was es bedeutet Polin zu sein und polnische Weihnachten zu feiern – Sagen wir es so, es ist etwas anders (nicht nur Wien ist anders)  😉

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Bitte versteht mich nicht falsch ich bin stolz auf meine Herkunft, auf mein Temperament und auf meine Eltern. Ich wurde 1988 in Ustrzyki Dolne [Ustschiki Dolne] geboren und war mit einem Jahr in Wien – Ich kenne das alltägliche Leben in Polen leider nicht (außer wenn ich bei meinen Verwandten zu Besuch war), aber ich bin meinen Eltern unendlich dankbar dafür, dass sie mir und meiner Schwester ein „besseres“ Leben ermöglicht haben. Ich stelle mir immer wieder vor wie es wäre, wenn wir in Polen geblieben wären. Mein Geburtsort ist ein Kaff und bietet der Jugend nicht wirklich viel. Wären wir in eine größere Stadt nebenan gezogen oder gar in die Hauptstadt? Wäre ich vom Charakter her so wie ich jetzt bin? Hätte ich dieselben Interessen wie jetzt und denselben Berufswunsch? Ich denke nicht, ich denke ich wäre mittlerweile verheiratet und hätte sicher schon zwei Kinder. Ok, das hört sich sehr altmodisch an, aber so stelle ich es mir nun mal vor. Und ich bin sicher noch nicht bereit, zu heiraten und Kinder zu kriegen – Ich weiß nicht einmal ob ich jemals Kinder haben möchte. Aber das ist ein anderes Thema!

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Kommen wir lieber zurück zum eigentlichen Thema. Weihnachten ist für Polen extrem wichtig, wenn nicht sogar das wichtigste Ereignis/Fest im Jahr. In meiner Familie wird Weihnachten immer groß am 24.12. gefeiert, es wird massig viel Essen aufgetischt und viel Wodka getrunken – Wobei dieser eher zur Verdauung als zum Betrinken gedacht sein soll. Hört sich ja alles eigentlich gar nicht so schlecht an oder? ABER alles was drum herum und währenddessen passiert ist für mich als Anti-Weihnachtsmensch eher anstrengend. Ja ich nenne mich auch liebevoll den GRINCH, nur damit ihr Bescheid wisst. Ich mag diese aufgezwungenge Feiertagsstimmung überhaupt nicht und ich habe schon oft versucht mich damit anzufreunden, aber es klappt einfach nicht #sorrynotsorry

Ihr müsst wissen, bei Polen gibt es normalerweise keine Abwechslung was die alljährliche Feier betrifft – Dasselbe Essen, dieselben Traditionen, dieselben Menschen jedes Jahr. Und täglich grüßt das Murmeltier hehe – ach ja und am nächsten Tag wird das ganze Essen vom Vortag aufgewärmt und wieder verspeist. Mit der Menge des gekochten Essens kann man sich theoretisch eine ganze Woche ernähren!

Mit der Zeit wird Heiligabend etwas langweilig und ich frage mich jedes Jahr ob es nicht an der Zeit wäre, diesen etwas anders zu gestalten. Wenn mir früher Freunde (aus unterschiedlichen Kulturen) erzählt haben wie sie Weihnachten feiern war ich oft ganz neidisch. Bei ihnen gab es oft nur eine Hauptspeise (Halleluja) und eine Nachspeise, meist Gans oder Hühnchen oder noch besser Raclette. Ich liebe Raclette, es ist das einfachste auf der Welt und so praktisch.

Bei uns zu Hause gibt es „nur“ ein 8-12 Gänge-Menü inkl. Saucen, Suppen, HauptspeisEN, Salate (Eiersalat mit ganz viel Mayonnaise), NachspeisEN, Käse- und Wurstplatte. Habe ich etwas vergessen? Aja der Karpfen, den zähle ich extra. Nicht genug? Dann esst doch von allem etwas, macht eine kurze Pause, trinkt etwas vom Wodka und fangt von Vorne an  😀

Hier nun ein paar wenige Traditionen:

  • Oblaten

Keine Ahnung mehr was Oblaten sind? Kein Problem, außer du bist in einem polnischen Haushalt. Diese werden vor Beginn des Weihnachtsessens auf einem kleinen Teller vorbereitet und vom Gastgeber an alle verteilt. Jeder nimmt sich ein Stück und geht zu jedem Gast, um ihm/ihr alles Gute zu wünschen und bricht ein kleines Stück von den Oblaten ab und isst es.

  • Der erste Stern am Himmel

Dieser Brauch ist eher für die Kinder gedacht, welche die Aufgabe haben nach dem ersten Stern am Himmel zu suchen. Wird dieser gefunden, so kann das Weihnachtsessen beginnen. Bei einer sternklaren Nacht ist das auch kein Problem, aber bei trübem Wetter wird dann improvisiert. Meist ist das aber gegen 16:30 Uhr 😉

  • Der Wodka

Jaja, der Wodka. Ein beliebtes Produkt bei uns Polen, allerdings eher als Genuss-Produkt gemeint. Ich war eigentlich noch nie nach einem Weihnachtsessen wegen dem Wodka betrunken. Für gewöhnlich werden bei ca. 6 Personen 1-2 Flaschen im Tiefkühler eingekühlt. Es ist auch gar nicht möglich betrunken zu sein, nachdem man so viel fettiges Essen zu sich genommen hat!

  • Das Essen

Das Wichtigste an Weihnachten ist, neben der Familie, definitiv das Essen. Wie schon angekündigt wird ein 8-12 Gänge-Menü serviert. Ihr glaubt mir nicht? Na dann versuche ich für euch ein klassisches Weihnachtsessen herzuzaubern:

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Angefangen wird meist mit zwei verschiedenen Suppen und zwar Barszcz [Borschtsch] (rote Rübensuppe mit selbstgemachten Teigtaschen gefüllt mit Fleisch), gefolgt von einer Steinpilzsuppe. Danach kommen Pierogi dran (gefüllte Teigtaschen alla Kärntner Kasnudeln, gefüllt mit Topfen und Kartoffeln oder ein Mix aus Kraut und Pilzen oder nur Kraut oder Fleisch oder eine süße Variante). Als Hauptspeise werden Gołąbki serviert (Krautwickel, Krauttaschen gefüllt mit Faschiertem und Reis und Tomatensauce), nebenbei wird der Karpfen aufgetischt vorzugsweise mit viel Knoblauch. Danach folgt ein typisch polnischer Mayonnaisesalat oder Eiersalat, eine Käse- und Wurstplatte und zum Schluss die Nachspiese. Viele servieren einen klassischen Käsekuchen oder etwas mit Kokos. Und wenn ihr dann nach 1-2 Stunden wieder Hunger bekommt, fangt der ganze Spaß wieder von vorne an. Praktischerweise steht das Meiste einfach am Tisch, damit man nicht ständig aufstehen muss. Tipp: Nehmt euch unbedingt Magentropfen mit!

Natürlich gibt es noch mehr Traditionen, aber diese folgen vielleicht nächstes Jahr. Wer weiß, möglicherweise wird Weihnachten nächstes Jahr anders. Die Hoffnung stirbt zuletzt und Wesołych Świąt!

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Wie feiert ihr Weihnachten? Habt ihr schon einmal polnische Weihnachten erlebt? Wenn ja, wie fandet ihr es?

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6 Gedanken zu “Polnische Weihnachten – Der (Alb)Traum aller Vorbereitungen

  1. Wir haben doch vor kurzem erst darüber geredet? 😂

    Bei uns gibts keine golabki (das wäre schon Abwechslung), dafür gibts Bigos und kluski z makiem 🙈

    Ich lasse heuer aus! Mein Weihnachtsmenü wird wahrscheinlich aus einer orientalischen Platte mit Bier in Kreuzberg bestehen 😂

    Bussi Sonia

    Gefällt 1 Person

    • Hehe ja stimmt 😉 aja Bigos 😂 Das habe ich vergessen 😉 Wow wie geil noch dazu in Kreuzberg #neid Ich habe meiner Mutter schon gesagt, dass Heiligabend nächstes Jahr bitte anders gefeiert werden soll 😛 Bussi Ps: Ich wünsche dir viel Spaß 😉

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  2. Ach Gottchen, ich habe mich köstlich amüsiert – genau SO und nicht anders läuft es bei uns auch ab! Der Andy war bei unserem ersten Weihnachtsessen mit meiner Mum leicht überfordert. Denn wir essen traditionell nur Fisch, haben dann aber auch etwas mit Fleisch für ihn aufgekocht, dann die ganzen Salate, die Suppe, und und und .. lol das Essen hat über die Feiertage gereicht UND sogar bis Ende des Jahres. Wobei ich dazu sagen muss, dass es bei uns am nächsten Tag auch wieder was anderes zu Essen gegeben hat, denn es wäre ja langweilig das gleiche vom Vortag zu verputzen. Super amüsanter Beitrag Justyna! lol

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    • Haha das freut mich so, dass du dich im Beitrag wiederfinden konntest 😂 Ja unsere Männer ( also meiner und der Mann meiner Schwester) hatten beim ersten Mal auch einen Kulturschock erlitten (beide Österreicher hehe) Ja am nächsten Tag werden die Pierogi aufgewärmt und alles andere eig auch haha am 26. wird meist was anderes gegessen (hoffentlich) 😉

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